Diesen Text gibt es hier als PDF-Datei
„Zwei Seelen wohnen ach! in meiner Brust..."
(Goethe: Faust)

Meine Reise in die Spiegelsphäre
von Stefan Bamberg, August 2005

Ich habe gerade eine Lebensreise hinter mir, bei der mir im wahrsten Sinn
des Wortes die Augen aufgingen. Mir wurde einer der am schwersten
durchschaubaren Irrtümer, welchem man als Mensch
im Erdenleben begegnen kann, deutlich vor Augen geführt.


- Grundlagen zur Unterscheidungsschulung -
(Text aktualisiert: 26.04.2014)

Viele Menschen befinden sich auf dem geistigen Pfad mit dem Wunsch zur Selbstverwirklichung oder Erleuchtung. Oft werden hierzu auch verschiedenste Meditationstechniken praktiziert. Was passiert nun im Bewusstsein eines Menschen, der solche Meditationsübungen durchführt? In welche Bewusstseinsebenen gelangt er?

Meditation kann als Hinwendung zu einem höheren Prinzip, um mit geistigen Kräften in Kontakt zu kommen, verstanden werden. Dies läuft hauptsächlich auf seelischer Ebene ab, denn die Seele steht zwischen dem Geist und dem Körper des Mikrokosmos Mensch.

Nun wirken im Menschen aber zwei Seelen:
Die eine möchte ich hier jetzt Seelenhülle bezeichnen und die andere als eine latente göttliche Seele, welche im göttlichen Geistfunken im Herzen verborgen liegt. Je nach dem, auf welche Seele man seine Ausrichtung legt, gelangt man zu völlig unterschiedlichen Resultaten, denn diese zwei Seelen gehören zwei vollkommen verschiedenen Bereichen an. Die Seelenhülle entstand aus der vergänglichen Welt und enthält die karmischen Belastungen, während die göttliche Seele aus unserer ursprünglichen göttlichen Lichtnatur stammt.
Die meisten Menschen wissen nicht, dass sie durch eine Selenhülle beherrscht werden, während die göttliche Seele, zunächst noch eingekapselt im göttlichen Geistfunken im Herzen des Mirkokosmos Mensch, erst noch erweckt werden muss. Geschieht dies, ist die geistige Wiedergeburt eingeleitet und der Mensch bewegt sich wieder in Richtung seiner ursprünglichen Bestimmung im Leben seiner göttlichen Lichtseele.

Aus der ursprünglichen Ordnung aus Gottes Geist, ursprünglicher Seele und göttlicher Offenbarungsform wurde in der Abtrennung von Gott die Dreiheit aus Höherem Selbst (!), Seelenhülle und der entsprechend sich aus den Inspirationen durch das Höhere Selbst sich entwickelnden Persönlichkeit. Dieses Höhere Selbst stellt also beim agieren über die Seelenhülle den „Geist" des von Gott abgetrennten Menschen dar. Somit wird klar, dass über das Höhere Selbst niemals eine Verbindung mit dem Geist Gottes hergestellt werden kann.

Weil die Menschen diese Zusammenhänge nicht kennen, halten sie die Seelenhülle für den Vermittler zu Gottes Geist und glauben mit Ihm Kontakt aufnehmen zu können durch deren bewusste Aktivierung. Und so kommt es zu einem weiteren folgenschweren Fehlschluss, wenn angenommen wird, dass die geistigen Kräfte irgendwo im Unterbewußtsein zu finden sein müssen. Über das Unterbewusstsein erhält der Mensch Zugang zu allen Lebenserfahrungen der Menschheit. Man ist über das Unterbewusstsein sowohl mit den individuellen als auch mit den Erfahrungen aller Menschen verbunden. In ihm sind z.B. karmische Bindungen, verdrängte Probleme, Überlebensstrategien und angesammelte Begabungen enthalten. Die karmischen Bindungen formen das Schicksal des Menschen (Karma (Sanskrit) bedeutet Handlung, bezeichnet hier das Gesetzt von „Was du säst wirst du ernten"). Da das Unterbewusstsein auch mit dem Erfahrungsschatz der gesamten Menschheit verbunden ist, formten die Psychologen hier den Begriff „kollektives Unterbewußtsein". Dieses Unterbewusstsein stellt den wesentlichen Teil der feinstofflichen Sphäre der Seelenhülle dar.

Durch diesen enormen Erfahrungsschatz ist das Unterbewusstsein viel intelligenter als das normale Wachbewusstsein und wird deshalb in der Esoterikszene sehr oft mit Höherem Selbst bezeichnet, während der Mensch im normalen Wachbewusstsein im „niederen Selbst ist. Die Vermittlung der Seelenhülle findet also zwischen diesen beiden Bewusstseinsebenen statt.

Viele Meditationsübungen führen zu einer Verbindung mit dem höheren Selbst, gefördert durch den eigenen Wunsch nach Selbstverwirklichung und Erleuchtung. Das ganze System des Menschen wird dadurch empfindlich für das „Channeling" der Seelenhülle, so dass der Mensch auch allen Einflüssen des individuellen und kollektiven Unbewusten ausgesetzt ist.

Die Aktivierung der göttlichen Geistseele geschieht durch eine konkrete Lebensumkehr, wodurch das Körpersystem des Menschen Stück für Stück vor den Einflüssen gegenüber der Seelenhülle verschlossen wird. Da jedoch sein Geistfunken im Herzen noch nicht erwacht ist, kann er die Quellen, aus denen er schöpft noch nicht unterscheiden. Da er bei einer Öffnung zum Unterbewusstsein durch den dann stattfindenden Zufluss noch unbekannter Kräfte einen Lustgewinn und gesteigerte Lebensfreude erlebt, möchte er oft auch gar nicht so genau diese Quellen unterscheiden lernen. Das Höhere Selbst kann sehr geschickt das Ich des Menschen dazu verführen das Warum solcher Erfahrungen nicht kritisch zu hinterfragen. Das Ich wird immer mehr darauf programmiert, Spannungen und Frustrationen zu vermeiden, um das Leben ungestört genießen zu können.

Da der Mensch in einer Welt der Gegensätze lebt, die er in seinem von Gott abgetrennten Bewusstsein nicht zu vereinen vermag, ist er ständig widersprüchlichen Einflüssen ausgesetzt, die er als Spannung und Stress empfindet. Auch wird er in dieser Welt ständig aufgefordert eine Wahl zu treffen. Vom Höheren Selbst fließen hierzu Verhaltensstrategien zur Selbstbehauptung und Charakterbildung wie auch religiöse und moralische Normen ein. Aber immer wieder spricht durch diese so vom höheren Selbst geführte Persönlichkeit die Stimme des Gewissens und fordert den Menschen auf, endlich aufzuwachen und die Anbindungen an das Höhere Selbst zu durchtrennen: „Kehre um in deinem Leben, höhere auf meine Stimme!"

Dadurch, dass diese Stimme immer wieder erklingt und der Mensch auch durch leidvolle Erfahrungen geht, wird verhindert, dass er sich vollends an die Materie verliert. Krankheit, Leid und Tod stellen Heilmittel göttlicher Gnade dar, um den Mensch aus festgefahrenen Verhaltensweisen befreien zu können. In göttlicher Gnade nutzt GOTT nach langen Phasen der Barmherzigkeit, in welchen ER auf verschiedene Art und Weise seine Kinder auf ihr Fehlverhalten aufmerksam macht, selbst noch in letzter Konsequenz die Krankheit, um uns durch diese letztendliche Wirkung trotzdem noch ans Hochziel der Erkenntnis zu führen. Durch diese notwendige Leiderfahrung und den Ermahnungen aus dem Geistfunken wird dem Menschen mitgeteilt, dass die Welt der Vergänglichkeit nicht sein eigentliches Zuhause ist.


Dazu aus dem UR-WERK:
(Quellenangabe: ANITA WOLF, UR-Ewigkeit in Raum und Zeit, 4. Auflage, Anita-Wolf-Freundeskreis e.V., Ditzingen, Verse 1371ff - S. 476 der 4. Auflage)
„Freilich muss Ich oft den Anstoß zur Reue und zur Buße geben; das geschieht aber niemals durch die Gnade als G A B E, sondern durch einen der Gnade vorausgehenden Akt, der darin besteht, dass Ich solche Kinder, besonders Menschen, durch Krankheit, Trübsal, Leiden und anderes gehen lasse. Mein Wille sendet dies nicht, sie sind selbst zu allermeist die Urheber, wie auch der Kriege und Schrecknisse.
Allein, Ich benutze die von Abtrünnigen verursachten Lasten und helfe ihnen scheinbar nicht. Ich lasse sie durch die Trübsalswogen gehen, bis sie seufzen lernen und nach Hilfe Umschau halten, von der sie - allerdings mehr unbewusst - glauben, sie käme von oben her. Ist solch kleines Fünklein nun erwacht, so leite Ich den Gnaden a k t zur puren G N A D E über. Dann aber, soll ein Kind aus freiem Willen sich zu Mir bekehren, muss Zug um Zug erfolgen: einmal ein Stück Meiner Gnade, dann wieder ein Stück Er- und Bekenntnis. Und das so lange, bis sich Meine Gnade vollstens offenbart zufolge einer größtmöglichen Reue und Sühnebereitschaft."

Ein weiteres Zitat aus dem UR-WERK, welches helfen soll, zu einem lebendigeren Verständnis und zur Erkenntnis von UR-SACHE und WIRKUNG zu führen:

„Manche Helfer sehen uns. Die Menschheit aber tobt, lästert, flucht und schreit; denn die Plagen sind sehr groß, die sie zu ertragen hat. Viele töten sich und wollen es nicht wissen, dass damit ihre Qual kein Ende hat. Auch unsere irdischen Freunde haben manches zu erdulden, von dem einiges ihre eigene Schuld betrifft, die sie - wie alle von der Welt - zu der Gerichtszeit zu bezahlen haben. Doch nicht wenig Weltlast nehmen sie mit Freuden selbst auf sich.
Ich lasse dies zu ihrem eigenen Schutze zu, damit die Horde sie nicht überfällt und schreien kann: ‚Ihr habt nichts von den Gräueln zu erdulden, also habt i h r sie heraufbeschworen!' Teuflische Wut an den Treuen auszulassen wird dadurch weitgehendst unterbunden. (...)"

[Anm. Ewald Brandner: Bereits hier sehen wir, dass Ursache und Wirkung mehrere Stufen und Gründe hat, als diese nur im Glauben an einen „Absoluten Mechanismus" gelebt werden wollen. Ein solches Verständnis ist ein weiterer Mechanismus, um an eine bestimmte Ebene gebunden zu werden!!]

All diese Erfahrungen sind natürlich für die Persönlichkeit sehr unbequem und möchten vermieden werden. Das gleiche Bestreben hat auch die egozentrische Kraft des höheren Selbst. Dieser Kraft entzieht der Mensch den Nährboden, wenn er den Erlösungsweg geht. Um den Menschen davon möglichst lange abzuhalten suggeriert das höhere Selbst der Persönlichkeit, das es das wahre Licht sei und der Stress und alle Probleme ein Ende haben, wenn man sich ganz in ihm verliert „Komm in meine Arme, hier findest du Frieden, Macht und ewiges Leben" verspricht es fortdauernd der Persönlichkeit.

In vielen Mythen und Legenden werden diese Verlockungen aus dem Unterbewußtsein beschrieben. Dort ist das Wasser oder Meer Symbol für das Unterbewußtsein. In vielen Meerfahrt-Mythen wird die sinnbildliche Überwindung und Beherrschung des Unterbewußtseins (Meer) durch das Wachbewußtsein (den Helden) dargestellt. So wird Odysseus zum Helden, indem er dem Gesang der Sirenen widersteht, welche ihn in die Tiefe locken wollen.
Auch bei Jesus Christus kennen wir die Szene, wo er über das Wasser ging. Er zeigt, dass er das Element Wasser vollkommen beherrscht, indem er nicht nur über das Wasser geht, sondern auch den Sturm zum erliegen bringt. Das gelingt ihm nur, weil er völlig im Einklang mit dem Willen Gottes ist.
Breuer, Wolfgang W. (1895-1927), Das Wunder, Christus über das Wasser wandelnd
Der Mensch, der sich durch die „Sirenentöne" aus dem Unter-bewußtsein verführen lässt, wird zum Opfer seiner falsch verstandenen Ich-Versenkung, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Beim Menschen wirkt das Wachbewusstsein als schützende Schwelle zum Unterbewusstsein. Diese Schwelle wird durch Meditationstechniken (auch z.B. Drogen haben diese Wirkung) Stück für Stück herabgesenkt und in den fortgeschrittenen Stadien sogar zerstört. Auf diese Weise fährt man dann wie in einem Fahrstuhl durch die feinstofflichen Stockwerke durch die individuellen und kollektiven Ebenen des Unterbewusstseins.

Die in der Meditation verwendeten Mantren und Formeln dienen dabei als Schlüssel zum „Öffnen der Türen". Wie ich selbst erlebte verankern sich diese Mantren regelrecht in der Aura des Menschen, so das die Sphäre des höheren Selbst einen ständigen Kanal zum Menschen aufbauen kann. Dadurch wird der Mensch zunächst tröpfchenweise, später aber sintflutartig mit noch unbekannten Kräften überschwemmt. Als Wirkung hierauf kann er dann z. B. Stimulierung von Sexualität und schöpferischer Aktivität, Hellsichtigkeit und Hellhörigkeit erleben. Die Erlebnisse können außerordentlich schön und erhaben und lichtvoll sein. Mit dem Meditationsfahrstuhl kann man sich unter Umständen in phantastische Höhen, in strahlende Räume mit nie zuvor geschauten überirdisch anmutenden Farben und Tönen befördern lassen. Man kann sogar engelgleiche, liebeausstrahlende Wesen wahrnehmen. Diese Sphären werden als der Himmel dieser Welt bezeichnet und der Ausdruck Spiegelsphäre für diese Ebene wird nun verständlich, da sie dem Menschen den reinen göttlichen Himmel vorspiegeln sollen, um ihn massiv zu täuschen. Man kann dort unaussprechliches Glück erleben und in tiefer Zufriedenheit von seiner Reise zurückkehren.

Ich selbst meditierte viele Jahre lang nach der Mantrameditation des Maharishi Mahesh Yogi, der Transzendentalen Meditation, kurz TM genannt. Als ich 1979 nach Selisberg zu Maharishi reiste, erlebte ich etwas sehr Eindrückliches. Den ganzen Tag hatte ich sehnsüchtig darauf gewartet, Maharishi sehen zu können. Als er dann am Fenster erschien, öffnete sich bei mir von einer Sekunde auf die andere der Zugang zum Unterbewusstsein und ich hatte das Gefühl, alle Menschen dieser Erde wahrzunehmen. Eine Flut von Eindrücken stürmte auf mich ein. Ein sehr schönes angenehmes Gefühl ging mit dieser Erfahrung einher. Nach ca. 1 ½ Stunden kehrte ich allmählich wieder ins Normalbewusstsein zurück.

Damals nahm ich an, ich hätte eine Erfahrung des von Maharishi definiertem kosmischen Bewußtseins gemacht. Ab ca. 1993 hörte ich auf TM zu praktizieren und erkannte dann 1996 diese TM-Meditation als eine Art Gehirnwäsche, welche den Menschen daran hindert seine karmischen Belastungen wirklich zu erlösen. Die Erfahrung die ich 1979 gemacht hatte interpretierte ich aber immer noch als ein natürliches erstrebenswertes Erlebnis erweiterten Bewusstseins. In diesem Jahr 2005 kam in mir der tiefe Wunsch auf, mein ganzes Leben mit all seinen Erlebnissen noch einmal tief zu hinterfragen. Immer wieder betete ich zu Jesus: „Bitte befreie mich von allem Irrtum". Im Rückblick erkenne ich jetzt, wie ich noch einmal durch Situationen geführt wurde, um in mir alle Andockpunkte an das Höhere Selbst bewusst zu machen, damit ich mich davon lösen konnte.

Ich machte zunächst quasi noch einmal einen Schritt zurück und nahm jetzt wieder an, dass die Transzendentale Meditation auch ein Hilfsmittel sei, um in das allumfassende Ganzheitsbewusstsein zu kommen. Auch die von Maharishi beschriebenen Bewusstseinszustände des transzendentalen Bewusstseins, kosmischen Bewusstseins, Gottesbewusstseins und Einheitsbewusstseins nahm ich als die natürliche Höherentwicklung des menschlichen Geistes an, wo sie doch in Wirklichkeit, wenn man den Pfad von Maharishi nachfolgt, die immer stärkere Anbindung an das Höhere Selbst sind. Wenn sich diese Bewusstseinszustände aus dem göttlichen Geistfunken heraus entwickeln, beschreiben sie tatsächlich den voll ausgebildeten Menschen. Aber dazu muss ein völlig anderer Weg beschritten werden, welcher in den weiteren Ausführungen erkennbar wird.

Ich wollte nun herausfinden, welche Wirkung die Mantren denn nun tatsächlich haben und begann noch einmal TM auszuüben. Allerdings bat ich Jesus um Seinen Schutz und begab mich innerlich an Seine Hand zur Führung. Meine erste Erfahrung war, dass ich nun viel klarer meditieren konnte als früher und wie das Mantra mir sehr mächtig Zugang zu „höheren Bewusstseinsebenen" erschloss, so dass ich auch während des normalen Tagesablaufs diese „höhere Wahrnehmung" nicht mehr verlor. Als Folge wurde nun aber mein Denken Stück für Stück verdreht, ohne das ich das merkte. Ich begann sogar Menschen, welche wirklich schon die innere Führung durch den göttlichen Geistfunken in sich erschlossen hatten, als auf dem falschen Weg befindlich zu beurteilen in der vollsten inneren Überzeugung. Mein Weg führte mich hart an den Abgrund, wie ich heute erkennen darf. Es hätte auch nicht mehr viel gefehlt, dann wäre es zur Trennung mit meiner Frau gekommen.

Was dann geschah, kann ich heute nur als große göttliche Hilfe dankbar verstehen. Ich hatte in dieser Zeit einen Menschen kennengelernt, welcher sich ebenfalls schon sehr lange mit vielen geistigen Themen befasst hatte. Gerade zu dem Zeitpunkt wo die Situation mit meiner Frau zu eskalieren drohte, da sie nicht mehr verstehen konnte wie ich nun wieder so manches hochhielt, was ich doch bereits zuvor als Irrweg erkannt hatte, besuchte mich mein Bekannter. Und dann begann er zu sprechen. Er selbst spürte dabei eine gesteigerte Wachheit und das Gefühl ganz innerlich inspiriert zu sprechen. Auch ich hörte ihm mit ganz wacher Aufmerksamkeit zu. Er sprach von den zwei Seelen und den Erfahrungen, die man in der Spiegelsphäre machen kann. Augenblicklich hatte ich das Gefühl, als wenn ich aus einer tiefen geistigen Umnachtung aufwachen würde und mein Denken eine größere Klarheit annahm. Mir wurde es nun Stück für Stück klar, was mit mir geschehen war. Wäre ich diesen Weg auch nur noch ein wenig weiter gegangen, wäre ich an das Höhere Selbst so stark angebunden worden, dass ich da wohl so leicht nicht mehr herausgekommen wäre, wer weiß, ob es mir in diesem Leben überhaupt noch gelungen wäre.
Heute sehe ich es sehr deutlich, dass Maharishi Mahesh Yogi sehr stark an das höhere Selbst angebunden ist und diesen Zustand in seiner großen Täuschung als Einheitsbewußtsein beschreibt. Jetzt kann ich Jesus nur bitten, ihm auch so wie mir zu helfen aufzuwachen, damit in ihm die göttliche Geistseele sich entfalten kann.

Ich kann nun an mir beobachten, wie es mir immer besser gelingt zu unterscheiden, aus welcher Sphäre die Inspirationen kommen. Es gilt nun für mich, alle meine Erfahrungen vollständig Jesus zu übergeben. Vor allen Dingen meinen Egowunsch nach Erleuchtung aufzugeben und immer um Seine Führung zu bitten. Das sind die ersten Schritte zur Erweckung unserer göttlichen Geistseele, welche dann durch Ihn entfaltet wird.

Der Schlüssel zur Entfaltung der göttlichen Geistseele, der Wiedergeburt im Geiste, liegt in Christi Worten: Liebe Gott über alles und Deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn wir die Dialektik (These, Antithese, Synthese) auf die Liebe zu Gott anwenden wird es klarer:

Die erste Stufe, die wir im lebendigen Vorgang der Liebe erleben ist diejenige, dass zunächst ein Liebender da sein muss, der zu der Wahrnehmung seiner selbst kommt und sich wahrnimmt wie er jetzt ist. Diese Wahrnehmung seiner Selbst ist also die Bewußtwerdung seiner zunächst aktiven Persönlichkeit, also seiner Seelenhülle. Dies wäre die Thesis im Gesamtgeschehen der Liebe.

Im zweiten Schritt geht der Liebende dann aus sich heraus, indem er sich dem Geliebten hingibt, er entfremdet sich seiner selbst. Damit beginnt er die erste Wahrnehmung seiner selbst zu negieren. Dies wäre die Antithese. In der Liebe zu Gott geben wir uns Ihm ganz hin um in diesem vollständigen hingeben sich erst selbst wieder zu haben und zu besitzen.

So wird die Negation in der Antithese wieder aufgehoben und es kommt zur Synthesis, in der sich der Liebende gerade dadurch, dass er sich ganz auf Gott einlässt und sich in ihm ganz verliert, gerade dadurch sich eigentlich selbst wiederfindet. Wir erleben dann, dass Gott uns nicht entgegengesetzt und eins mit unserem Wesen ist: wir sehen uns in Ihm - und dann ist Er doch wieder nicht wir - ein Verstehen, welches uns als seine Geschöpfe eines von Ewigkeiten her vollkommenen Gottes begreift, der uns nach Seinem Bilde schuf.
____

Ein Mensch, der die wundervollen Erfahrungen, die das höhere Selbst ihm zu bieten hat, erlebt hat, wird sich nicht so leicht davon lösen wollen. Warum sollte er diese Erlebnisse auch für etwas schlechtes halten? Warum sollte er nicht immer wieder diese Sphären aufsuchen, um dort Regeneration zu erhalten oder sogar Zwiesprache mit seinem „Meister" anderen Adepten, „Christus" oder sogar „Gott" zu halten? Warum sollte er diese Meditationstechniken nicht immer wieder anwenden, wenn er sich danach doch viel ausgeglichener und liebevoller fühlt?

Der Mensch sollte dies deshalb nicht tun, weil er dadurch nur um eine zeitliche Illusion reicher wird, die aber auf Kosten seiner unsterblichen Geistseele geht. Durch das Annähern von höherem und niederen Selbst kann man den Eindruck haben, verdrängte Probleme aufzuarbeiten mit dem Gefühl von Entspannung und Zufriedenheit. Die alten Probleme kehren aber früher oder später zurück, da das Karma, welches den Menschen unerbittlich vorwärtstreibt so natürlich nicht erlöst werden kann. Im Gegenteil, durch die massive Täuschung die der Mensch erlebt, verbunden mit den schönen Gefühlen, entfernt er sich immer mehr von seinem Erlösungsweg. Die alten Probleme stellen sich letztendlich in oft verschärfter Form wieder ein, wodurch die Not immer größer wird. Die Persönlichkeit wird so begreifen müssen, das alle diese Verhaltensweisen ihrer Seelenhülle ihm nicht wirklich weiterhelfen und er sich immer mehr von sich selbst entfremdet. Solang die Persönlichkeit von sich und der Richtigkeit ihres Weges überzeugt war, wurde auch die Herzensstimme kaum wahrgenommen. So kann jetzt der Mensch zur Wandlung und vollständige Hingabe an Gott bereit werden, damit der dialektische Prozess zur Entfaltung der Geistseele sich vollziehen kann.

Das höhere Selbst will sich aber nicht so schnell geschlagen geben. Man beginnt zu erkennen, dass die einmal aufgebrochenen Türen zum Unterbewußtsein nicht so ohne weiteres wieder geschlossen werden können. So erlebte ich auch bei mir, dass mir das Mantra, also der in der Meditation immer wiederholend gedachte Klanglaut, nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. So versuchte das höhere Selbst sich weiterhin mit diesem Schlüssel die „Einflusstüre" offen zu halten. Erst als ich mich vollständig Jesus übergab und ihn um Hilfe bat, wurde es besser. Immer wenn sich mir das Mantra wieder aufdrängen wollte betete ich: „Jesus, Du bist der Schlüssel zum Leben!" Dadurch geschah es dann wirklich, dass Er mein Leben wieder ordnete. Meine Unterscheidensfähigkeit wurde wieder erweckt.

Durch die liebevolle Hingabe an Gott kann nun der göttliche Geistfunken stärker in den Menschen ausstrahlen, wodurch auch die Unterscheidungsfähigkeit wieder geweckt wird. Es ist ein Gefühl, als wenn man beginnt sich selbst, d.h. seine Persönlichkeit, die man bisher war aus einem Abstand heraus zu betrachten. Stück für Stück lernt man immer deutlicher zu unterscheiden, welche Impulse vom höheren Selbst und welche wirklich aus dem göttlichen Geistfunken im Herzen kommen. Man lernt die feinen aber entscheidenden Unterschiede dieser vom höheren Selbst errichteten „Scheinerleuchtungsebene" in Bezug zur wirklichen Gottesschöpfung kennen. Auch wird der Wunsch größer wiedergutzumachen wo man bei Mitmenschen Verletzungen bewirkt hat, ja man beginnt überhaupt diese „Scherbenhaufen" die man die ganze Zeit säte überhaupt erst einmal wahrzunehmen. Man nimmt immer stärker wahr, wie alle Menschen miteinander in Verbindung stehen und kommt so in das wirkliche liebevolle Miteinander, was die Menschen wie ein großer Körper zusammenarbeiten lässt.

Wenn man diese Hilfe nicht erfährt, kann es wirklich heftig werden, denn durch die einmal geöffneten Türen zum Unterbewußtsein können nun auch die dunklen und abgründigen Seiten des individuellen und kollektiven Karmas auf uns hereinstürmen. Dann ist der Mensch diesen vielfältigen Einflüssen hilflos ausgeliefert. Hinzu kommt, dass die Seelenhülle auf der astralen Ebene der Spiegelsphäre oft orientierungslos ist, da sie dort nicht „ich" und „du", nicht „hier" und „dort", nicht „wahr" und „unwahr" unterscheiden kann. So wird der Mensch von der astralen Flut hin und hergespült, solange er nicht von seiner Geistseele geführt wird. Sri Chinmoy beschrieb diese Orientierungslosigkeit sehr deutlich, wenn er aus seinen Samadhi-Erfahrungen zurückkehrte. Ein deutliches Zeichen, dass auch er sich auf die Spiegelsphäre eingelassen hat, wie das, wie mir jetzt immer mehr klar wird, bei den meisten östlichen Meistern der Fall ist.

Wenn man sich durch die Meditation so für die Spiegelsphäre geöffnet hat, kann der Mensch auch von Spiegelsphären-Wesenheiten so getäuscht werden, dass er den Eindruck hat mit Gott zusprechen (siehe Bücher von Neal Walsh: „Gespräche mit Gott"). Diese Wesenheiten spielen ihm dann etwas vor, um die durch Hochgefühle und Hingabe freigewordene Lebenskraft im Menschen aufzusaugen.

So wird jetzt verständlich, dass auf dem Weg der Meditationsübungen der Mensch anstelle zum Ursprung des eigenen Wesens nur zum Ursprung des sterblichen Wesens, dem luziferischen Energiekörper des von Gott abgefallenen Geschöpfes gelangt. Der göttliche Geist wird auf diesem Wege nicht erreicht. Der Mensch verbindet sich makrokosmisch gesehen mit dem „Herrn dieser Welt". Damit lässt man sich auf Wesenheiten ein, welche sich bewusst gegen Gott stellten, weil sie nach ihrem eigenen Gutdünken herrschen wollten. Dieser „Herr der Welt" ist dann der „wahre Meister" des Meditierenden. In dieser Vereinigung mit dem Herrscher dieser Welt erhält die sterbliche Seelenhülle ein pseudo-kosmisches Bewusstsein. Es ist die Hochzeit mit dem Kerkermeister der Menschheit und stellt somit ein gespenstisches Zerrbild der Wiedergeburt im Geiste, der Hochzeit, welche die göttliche Seele mit dem Geist Gottes feiert, dar.

Wer diese letzte Stufe dieses abwärts gerichteten Weges erreicht hat, wird in diesem Erdenleben kaum noch eine Möglichkeit haben, den Lebensweg zur Erweckung der göttlichen Geistseele zu finden und zu gehen. Ein solcher Mikrokosmos Mensch kann in so erheblichen Umfang geschädigt werden, dass ein neuer Schulungsweg notwendig wird.

Hierzu hatte ich 1993 eine entscheidende Erfahrung. Ich hielt mich zu dieser Zeit in Indien bei Mata Amritanandamayi (Amma) in ihrem Ashram auf (siehe hierzu auch den Artikel auf meiner Seite: „Amma und Kali": http://gandhi-auftrag.de/amma.htm
). Gerade war ich wieder beim Darshan bei ihr gewesen. Unter Darshan versteht man in Indien das demütige unter die Augen des Guru treten. Amma strich dabei über meinen Rücken und murmelte mir ihr „Ma, Ma, Ma..." ins Ohr. In meinem Zimmer legte ich mich auf mein Bett und schloss die Augen. Ich spürte eine enorme Energie durch meinen Körper fließen und sah, wie meine Energiezentren, die Chakren weiß leuchteten. Ich nahm wahr, wie diese Energie nun wie in einem Sog in Richtung Scheitelchakra hinaufzog. Ich hatte das Gefühl nun mit dieser Energie reisen zu können in höchste „Himmel" hinein, so wie das die alten Yogis erlebt hatten. Aber an diesem Punkt sagte irgendetwas in mir „Halt". Ich setzte mich hin und der Gedanke kam in mir, mich jetzt nicht mit dieser Energie hinaus zu katapultieren um „himmlische Sphären" zu besuchen, sondern im hier und jetzt zu bleiben und diese Energie in alle meine Ängste zu leiten. Augenblicklich fühlte ich mich wie erwachend und neugeboren. Ich hatte von diesem Moment an nicht mehr das Bedürfnis zu Amma gehen zu müssen, da mir auf einmal klar wurde: „Du hast doch in dir, was du suchst, in deinem Herzen. Du musst doch nicht zu jemand andern gehen um von ihm etwas erhalten wollen, was du bereits in dir hast".

Heute weiß ich dass ich damals intuitiv richtig gehandelt und eine große Hilfe Gottes erfahren hatte. Wäre ich damals dieser Energie nachgereist, wäre es wahrscheinlich genau zu dieser „Hochzeit mit dem Kerkermeister" gekommen, und mir wäre dieses pseudo-kosmische Bewusstsein gegeben worden, eine Täuschung, aus der ich schwerlich wieder heraus gefunden hätte, geschweige denn sie überhaupt zu durchschauen. So ist mir heute klar, dass auch Amma stark an diese Spiegelsphären-Wesenheiten (u.a. Kali) gebunden ist und von diesen bereits dieses „kosmische Bewusstsein" erhalten hat.

Aber wir können sicher sein, dass Gott in seiner barmherzigen Liebe bis zum letzten alles versucht, um auch solche Seelen zum Erwachen zu bringen. Oft werden im Sterbeprozess noch gewaltige Schritte vollzogen. Ich erlebe es bei meiner Arbeit im Altenheim immer wieder, wie es eigentlich die ganze Zeit darum geht, dass die gefallene Persönlichkeit eine vollständige Kapitulation auf allen Ebenen ihrer unzulänglichen Verhaltensweisen
Hans Georg Leiendecker, Der Tröster
vollzieht, und sich so wie sie ist Gottes Hilfe anvertraut. Bei vielen ist dieser Punkt erst durch einen oft sehr leidvollen Prozess erreicht. Wenn an diesem Punkt sich der Mensch voll Vertrauen an Gott wendet, kann die heilende Wandlung und Erweckung seiner Geistseele vollzogen werden. So ist dieses erfahrene Leiden in Wirklichkeit unser größtes Heilmittel in Situationen, wo wir uns hoffnungslos in unser gefallenes Ich verstickt haben.

Der zu vollziehende Lernschritt wäre jetzt die Überwindung der übersteigerten Ichbezogenheit, die so viele Menschen haben. Die freiwillige Übergabe dieses Ichs an Gott führt den Menschen in den Transformationsprozess der ihn wieder ganz und heil werden lässt und über das Bewußtsein seiner Persönlichkeit erhebt.

Die Erweckung
unserer göttlichen Geistseele

„Nicht als einer, der so klar und so licht ist
und alle Finsternis aus sich vertrieben hat,
nimmt Gott dich an, sondern, so wie du bist"
Jeremiah Abrams, Connie Zweig, „Die Schattenseite der Seele", S. 128
Zitat aus: Anselm Grün, „Zerrissenheit", Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach

„... Die Frage ist, wie wir aus diesem Zwiespalt herauskommen können. Paulus stellt die bedrückende Frage: »Ich unglücklicher Mensch! Wer wird mich aus diesem dem Tod verfallenen Leib erretten? « (Röm 7,24) Und er gibt selbst die Antwort: »Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! « (7,25) Aber wie ist das zu verstehen, dass Christus mich von der inneren Zerrissenheit heilen soll? Gibt er mir die Kraft, nun doch das zu tun, was ich will? Befreit er mich von der Macht der Sünde? Für mich liegt die Antwort des Paulus in einem zweifachen Weg. Der erste Weg besteht darin, dass ich die beiden oft genug getrennten und nebeneinander liegenden Ichs zusammenbringe und einen Dialog zwischen ihnen beginne. Paulus hat diesen Dialog in seinem Text schon eröffnet. Er bringt die beiden Ichs ins Gespräch. Das bewahrt uns davor, das gute und moralische Ich abzuspalten von dem bösen und unmoralischen Ich. Es relativiert unser gutes Ich.

Der zweite Weg besteht nach Paulus darin, dass ich meine Zerrissenheit Christus hinhalte, dass ich den Dialog zwischen den beiden Ichs erweitere zu einem Dreiergespräch mit Jesus Christus. Vor Jesus Christus kann ich meine Zerrissenheit eingestehen, ohne mich mit Schuldgefühlen zu zerfleischen und ohne mich so unter Druck zu setzen, dass ich das böse Ich unter allen Umständen töten muss. Paulus glaubt daran, dass mich der Blick auf Jesus Christus zu meinem eigentlichen Wesen und zu meiner Ganzheit führt. Wenn ich nur auf meine Zerrissenheit schaue, werde ich sie nie los. Ich kann mich noch so anstrengen. Ich werde mit meinem Willen nicht erreichen, dass ich alles tue, was ich als richtig erkannt habe. Ich kann auch Christus nicht als die Kraftquelle benutzen, die mir die nötige Energie gibt, den Zwiespalt zu überwinden.

Ich kann nur durch meine Zerrissenheit hindurch auf Jesus Christus schauen, ich kann Ihm meinen Zwiespalt hinhalten. Dann erfahre ich mitten im Zwiespalt, dass ich so sein darf, wie ich bin, auch mit meinen Schattenseiten, auch mit meiner Unfähigkeit, das Gute zu tun. Der Blick auf Jesus Christus führt mich zu mir selbst, zu meinem wahren Personkern. Da erfahre ich Ganzheit. Denn die Liebe Christi umfasst beide Seiten in mir: den Gerechten und den Sünder, den, der das Gesetz als gut erkannt hat, und den, der immer wieder in die Sünde fällt und gegen das Gesetz handelt.

Je mehr ich gegen meine Zerrissenheit ankämpfe, desto weniger erreiche ich. Im Gegenteil, wenn ich gegen den inneren Zwiespalt frontal vorgehe, dann wecke ich eine so starke Gegenkraft, dass ich ihr nicht gewachsen bin. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Ich habe oft den Gedanken gehabt, irgendwann werde ich doch alle meine Fehler überwunden haben. Immer wieder habe ich mich geärgert, dass ich in die alten Fehler gefallen bin. Nach jedem Rückfall habe ich mir vorgenommen, noch konsequenter zu sein, noch besser im voraus zu überlegen, wann ich in Gefahr geraten könnte, den Fehler zu wiederholen. Das hat zwar manches in mir bewirkt und zum Besseren gewendet, aber trotzdem bin ich immer wieder in die Falle geraten. Und dann ging der Ärger über mich erneut los. Ich habe mich selbst beschuldigt, mich selbst abgelehnt und damit den Zwiespalt nur noch vergrößert.
Erst als ich mich dann in meiner Ohnmacht, den Zwiespalt aus eigener Kraft zu überwinden, Gott hingehalten habe, habe ich auf einmal einen tiefen inneren Frieden gespürt. Ich darf mich so, wie ich bin, Christus hinhalten. Ich bin von Ihm ganz und gar geliebt, ganz und gar angenommen. Das befreit mich von der inneren Zerrissenheit. Auf einmal erfahre ich innere Klarheit und Einklang mit mir selbst. Ich kann mich in Gottes barmherzige Arme fallen lassen und erfahre darin meine Ganzheit, mein Heil, die Aufhebung der Zerrissenheit.

Der Blick auf Christus darf nicht zu einem Hinwegsehen über die eigenen Schattenseiten werden. Sonst würde der Glaube dazu missbraucht, der eigenen Wahrheit zu entfliehen.
Paulus fordert uns mit seinen Worten geradezu heraus, uns der eigenen Wirklichkeit zu stellen. Nur wenn wir unsere Wahrheit Christus hinhalten, können wir uns langsam aussöhnen mit all den Seiten, die uns gar nicht angenehm sind, mit unserer Ohnmacht, mit unserem Unvermögen, das Gute zu tun, mit unseren Schattenseiten.

Nicht nur in der New-Age-Spiritualität, sondern auch in manchen christlichen Kreisen ist es heute weit verbreitet, den Schatten zu leugnen oder zu überspringen. In der Euphorie von Erleuchtung und Gotteserfahrung braucht man sich seinen dunklen Seiten nicht zu stellen. Man meint, sie seien ein für allemal durch Christus weggenommen. In der New-Age-Bewegung »wird den Suchern häufig eingeredet, mit dem richtigen Lehrer und den richtigen Praktiken könnten sie direkt zu den höheren Bewußtseinsebenen vordringen, ohne sich erst mit ihren hässlichen kleinen Schwächen und Verhaftungen befassen zu müssen.«
(Die Schattenseite der Seele, S. 123)
Doch heute erleben wir, dass sich der Schatten in diesen Bewegungen nur allzu deutlich erhebt. Da purzeln die Gurus reihenweise von ihren Podesten, weil ihre menschlichen Schwächen eklatant zum Vorschein kommen. »Manche >vollkommenen< Meister sind weithin bekannt für ihre Wutausbrüche oder ihr autoritäres Gebaren. Etliche >keusche< Super-Gurus sind in den letzten Jahren durch ihre heimlichen sexuellen Beziehungen zu Schülerinnen in die Schlagzeilen geraten. «
(Ebd. S.130)
(Anm.: Siehe z.B. diesen Bericht über Sri Chinmoy:
http://agpf.de/Chinmoy-Ex.htm#SexwithGhose )


Paulus bewahrt uns vor einem allzu eiligen Schwärmen von Erleuchtung und Christuserfahrung. Er weiß, dass er trotz seiner Christusnähe oft nicht tut, was er will. Der Schatten bleibt auch nach der Bekehrung noch wirksam. Manchmal möchten Menschen, die durch eine spirituelle Bewegung Umkehr erfahren haben, allzu schnell ihre verletzte Lebensgeschichte hinter sich lassen. Aber das führt nicht zur wirklichen Verwandlung. Vielmehr werden sie ihre alten Muster auch auf ihren spirituellen Weg mitnehmen.

Da gerät eine Frau, die von ihrem Vater entwertet worden ist, wieder an einen Priester, der sie genauso entwertet. Das Muster der Selbstbeschuldigung, das man als Kind benutzt hat, um sich vor der Strafe des Vaters zu schützen, schleicht sich in das geistliche Tun ein. Man zerfleischt sich mit Schuldgefühlen. Der Mangel an Selbstvertrauen bestimmt auch die Beziehung zum geistlichen Begleiter. Man hört nur auf ihn und überhört die eigenen Gefühle.
Oder das mangelnde Selbstvertrauen der Kindheit wird ersetzt durch ein übertriebenes Sendungsbewußtsein, indem man sich über alle anderen stellt, weil man ja zu den wenigen entschiedenen Christen gehört. Die nüchternen Sätze des Paulus möchten uns davor schützen, unsere Bekehrung und Erlösung allzu optimistisch zu sehen, als ob wir mit unserer Lebensgeschichte nichts mehr zu tun hätten. Nur wenn wir unsere eigene Geschichte mit ihren Verletzungen und Kränkungen in unsere Beziehung zu Christus bringen, kann uns Christus von dem Zwiespalt heilen, in dem wir uns auch nach intensiven Gotteserfahrungen und großartigen spirituellen Erlebnissen immer noch befinden."